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Proteste gegen geplantes Hospiz: Kein Bock auf den Tod als Nachbarn
Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 18:31 Uhr

120222HausLangenbek - Ein geplantes Hospiz erregt die Gemüter am Blättnerring. Bereits im Frühjahr 2013 sollen im dann ehemaligen Gemeindehaus der evangelisch lutherischen Kirchengemeinde Sinstorf die ersten Todkranken einziehen, um dort ihre letzten Tage oder Wochen zu leben. Einzelne Anlieger möchten das Sterben in ihrer Nähe am liebsten verbieten. Sie fordern unter anderem einen Sichtschutzzaun. Zwei Nachbarn haben bereits einen Anwalt eingeschaltet.

Der Blättnerring ist so etwas wie ein  kleines Stückchen vom Paradies. Einfamilienhäuser säumen die Spielstraße, in der Kinder mit ihren Rollern fahren. Ein kleines Wäldchen grenzt an die Straße. Am Ende steht das Gemeindehaus, das vor 20 Jahren als letztes Gebäude in dieses Idyll gesetzt wurde. Die klamme Gemeinde will das Gebäude loswerden. Vermutlich auch um das andere Gemeindehaus gegenüber der Sinstorfer Kirche wieder fit zu machen. Der Käufer wird das DRK.

Für Harald Krüger, Geschäftsführer des DRK-Harburg ist das Gemeindehaus, das als "Haus am Wäldchen" firmiert, eine Traumimmobilie. Er findet das Haus ideal für die Verwirklichung eines Hospizes. Das hat Harburg dringend nötig. "Weit über zehn Jahre wird davon geredet", sagt Krüger. Problem Nummer 1, das Geld, ist gelöst. Eine Million Euro zahlt das DRK. Eine Million kommen von den weiteren Projektbeteiligten. Der Rest für das 2,8 Millionen Euro teure Projekt wird als Darlehen aufgenommen.

Problem Nummer 2 war die richtige Immobilie. Die ist, finden Krüger und seine Mitstreiter, das Gemeindehaus. Lichtdurchflutet, großzügig und vor allem mitten im Leben, in einer Straße, in der Menschen wohnen, Kinder lachen und im Sommer der Grillduft durch die Gärten zieht. Das es Ärger gibt, hat sich Krüger gedacht. "Man hätte natürlich ein Hospiz in einem Gewerbegebiet oder irgendwo an der Autobahn bauen können", sagt er. Das hätte den Ärger vermieden, wäre aber nicht im Sinne der Sache gewesen.

Anwohner sehen das anders. sogar Wertminderung von Grundstücken wird geltend gemacht. "Wir werden uns sicher in vielen Dingen einigen können", kündigt Krüger an. Dazu gehört auch, dass der Leichenwagen, der statistisch 140 Mal im Jahr das mit maximal zwölf Patienten belegte Hospiz anfahren muss, möglichst diskret zu vorher vereinbarten Zeiten kommt. Eines wird es laut Krüger aber sich nicht geben. Das man sich mit Spendengeldern von Protesten freikauft. Rechtlich sieht sich Krüger ohnehin auf der sicheren Seite. "Der Bauvorbescheid ist bereits positiv beschieden", sagt er. Der Kaufvertrag ist bereits unterschriftsreif.

Mit den Anwohnern sind Vermittlungsgespräche geplant. Auch um unbegründete Ängste und sorgen zu vertreiben. Angesichts Sterbender im Nachbarhaus wird sich so mancher Anwohner vermutlich fragen, ob man dann noch Lachen, Grillen oder in seinem Garten ausgelassen feiern kann. "Kann man", meint Krüger. Immerhin wird auch im Hospiz in allererster Linie gelebt. zv

 
 

Kommentare  

 
#18 Nicole 2012-02-27 07:56
Erbärmlich, traurig, ja schockierend die Reaktion der Anwohner. Es werden wohl alles Leute sein die gar nicht wissen was ein Hospiz leistet. Meine Mama hat ihre letzten Wochen im Hospiz Buchholz verbracht...Hätte es eines in Harburg gegeben hätte ich noch öfter bei ihr sein können :-(.

Ein Hospiz ist ein derart friedlicher und menschlicher Ort. Dort vegetieren keine Monster vor sich hin die vor den Gesunden versteckt werden müssen!!Wir haben im Hospiz auch gelacht, musiziert, wir haben uns dort immer wohl und verstanden gefühlt, selbst in der Todesstunde...

Die Kinder werden sicher besser damit klar kommen als ihre Eltern. Wem es nicht gefällt der sollte wegziehen -nur wohin?? Wo wird es einen Ort geben für solche Träumer, die nicht sehen wollen dass es auch Krankheit und Tod gibt?
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#17 Ulrike 2012-02-26 04:51
Fortsetzung: Und man kann dort etwas erleben, was der Gesellschaft "draußen" mehr und mehr verloren geht: Solidarität.
Vielleicht sollten sich Nachbarn, die Vorbehalte hegen, mal ein Hospiz ansehen, sich dort umsehen und begreifen, dass dort keine Monster, sondern Menschen aus Fleisch und Blut mit genau denselben Freuden und Kümmernissen wie sie selbst leben - bis zu ihrem Tod oder bis sie entlassen werden können wie meine Mutter. Der Nimbus des Unheimlichen und Bedrohlichen wird nur durch Erleben und Erfahren vergehen.
Und noch eins: Mein Mann und ich besitzen eine Eigentumswohnun g und das Hospiz ist keine hundert Meter Luftlinie von uns entfernt. Ich habe nicht eine negative Äußerung unter unseren Nachbarn und Miteigentümern gehört und weiß auch nichts von einem Wertverlust unserer Immobilie. Insofern treffen die dahingehenden Befürchtungen der Nachbarn in Hamburg ebenfalls nicht zu.
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#16 Ulrike 2012-02-26 04:49
Fortsetzung: Es waren Monate, für die ich heute noch sehr, sehr dankbar bin, denn sie haben mir die Angst vor dem Sterben genommen. Nicht zuletzt deshalb, weil meine Mutter nicht nur nicht in den ihr noch zugedachten 14 Tagen starb, sondern weil es ihr nach wochenlangem Auf und Ab irgendwann - erst unmerklich, dann merklich - besser ging. Sie lebt heute noch mit meinem Vater zuhause in ihrer Wohnung! Sie ist von den Hospizmitarbeit ern so gut betreut worden, es fehlen mir die Worte, das alles zu beschreiben.
Es ist doch so: Der Tod gehört zum Leben, und es ist gut, dass es solche Einrichtungen wie Hospize gibt, wo sich mitfühlende Menschen aufoopferungsvo ll um die Sterbenden kümmern. Und es wird dort nicht etwa nur getrauert. Nein, wir haben gesungen und gelacht, ein Sommerfest gefeiert, im Advent Plätzchen gebacken und und und... Wie schon geschrieben wurde: Im Hospiz wird auch gelebt, manche Gäste bringen sogar Jahre dort zu.
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#15 Ulrike 2012-02-26 04:47
Ich kann die Vorbehalte der Nachbarn bis zu einem gewissen Maß nachvollziehen, da in unserer Gesellschaft der Tod fast völlig ausgeklammert wird und ein Mensch meist nur noch selten mit dem Sterben in Berührung kommt. Worüber man nichts weiß, das ängstigt einen. Und man verdrängt noch lieber seine eigene Sterblichkeit. Mir ging es vor ein paar Jahren genauso, als meine krebskranke Mutter mit einer von Ärzten bescheinigten Rest-Lebenserwartung von höchstens zwei Wochen als austherapiert von der Palliativstatio n ins Hospiz unserer Stadt verlegt wurde. Ich kann mich noch gut an meine Gefühle erinnern, als ich zum ersten Mal die Schwelle zu diesem "Haus des Todes" überschritt. Und was soll ich sagen: Meine Mutter hat ein halbes Jahr dort zugebracht und wir haben sie jeden Tag besucht, gehörten schon fast zum Inventar des Hauses. Wir haben dort viel Leid gesehen, aber auch so viel Positives erfahren, als man uns zuhörte, mit uns mitlitt, uns beriet, einfach da war.
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#14 Silke 2012-02-25 17:01
Pfui! Schämen Sie sich! Ihr Grundstück verliert an Wert? Verkaufen Sie, jetzt!
Leichenwagen sind kein schöner Anblick für Kinder? Entschuldigung, das gehört zum Leben bzw. Sterben dazu.Und was gibt es außer einem Wagen zu sehen? Hohes Verkehrsaufkomm en durch Leichenwagen? Und wie ist es mit den Buslinien? Ach nein, die stören nicht, die befördern ihre Personen ja lebendig.
Pfui!!! Für diese ignoranten, egoistischen Anwohner! Leben Sie lange und Gesund!!!
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#13 Peter 2012-02-23 16:24
Es ist einfach nur erbärmlich.Das ist wohl der Preis der heutigen Zeit nur noch Egoisten .
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#12 Fr. B.aus Harburg 2012-02-23 10:21
Auch ich möchte mich den Meinungen der Leserbriefe anschließen.
Pfui, und nochmals Pfui,
die zwei Nachbarn die dagegen sind.

Wir brauchen dringend ein Hospiz in Harburg. Die Lage ist ideal, Angehörige können, wenn sie ein wenig verschnaufen wollen, in den kl. Wald gehen, der ganz in der Nähe liegt.
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#11 Thomas 2012-02-23 08:42
Wieder typisch Deutsch... plane was und es sind sofort etliche dagegen...
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#10 Sigrun Lück 2012-02-23 08:01
zitiere Lars Müller:
Nachbarn ! Wie intolerant geht es denn noch ? In Deutschland sollte man Nachbarn nicht mehr ernst nehmen. Immer für alles nur nicht bei sich vor der Tür. Todkranke Menschen sollte man mit offenen Armen empfangen und sie in ihre letzten Stunden unterstützen. Wer sich als Nachbar wie in dem Artikel beschrieben verhält sollte sich schämen. Pfui.

Sie sprechen mir aus der Seele. Es ist einfach nicht zu begreifen, dass diese Leute so reagieren!
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#9 Eilera 2012-02-22 23:41
In Harburg scheint es ja zur neuen Mode zu werden, erstmal gegen alles zu sein.
Aber das ist doch hier wirklich an Intoleranz nicht mehr zu überbieten und denen, die dagegen klagen und sich beschweren, kann man nur wünschen, das sie selber nicht in eine Situation kommen, mal in ein Hospiz eingeliefert zu werde (und wenn, dann schön abgeschieden von aller Zivilisation.)
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