| Proteste gegen geplantes Hospiz: Kein Bock auf den Tod als Nachbarn |
| Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 18:31 Uhr | ||||
|
Der Blättnerring ist so etwas wie ein kleines Stückchen vom Paradies. Einfamilienhäuser säumen die Spielstraße, in der Kinder mit ihren Rollern fahren. Ein kleines Wäldchen grenzt an die Straße. Am Ende steht das Gemeindehaus, das vor 20 Jahren als letztes Gebäude in dieses Idyll gesetzt wurde. Die klamme Gemeinde will das Gebäude loswerden. Vermutlich auch um das andere Gemeindehaus gegenüber der Sinstorfer Kirche wieder fit zu machen. Der Käufer wird das DRK. Für Harald Krüger, Geschäftsführer des DRK-Harburg ist das Gemeindehaus, das als "Haus am Wäldchen" firmiert, eine Traumimmobilie. Er findet das Haus ideal für die Verwirklichung eines Hospizes. Das hat Harburg dringend nötig. "Weit über zehn Jahre wird davon geredet", sagt Krüger. Problem Nummer 1, das Geld, ist gelöst. Eine Million Euro zahlt das DRK. Eine Million kommen von den weiteren Projektbeteiligten. Der Rest für das 2,8 Millionen Euro teure Projekt wird als Darlehen aufgenommen. Problem Nummer 2 war die richtige Immobilie. Die ist, finden Krüger und seine Mitstreiter, das Gemeindehaus. Lichtdurchflutet, großzügig und vor allem mitten im Leben, in einer Straße, in der Menschen wohnen, Kinder lachen und im Sommer der Grillduft durch die Gärten zieht. Das es Ärger gibt, hat sich Krüger gedacht. "Man hätte natürlich ein Hospiz in einem Gewerbegebiet oder irgendwo an der Autobahn bauen können", sagt er. Das hätte den Ärger vermieden, wäre aber nicht im Sinne der Sache gewesen. Anwohner sehen das anders. sogar Wertminderung von Grundstücken wird geltend gemacht. "Wir werden uns sicher in vielen Dingen einigen können", kündigt Krüger an. Dazu gehört auch, dass der Leichenwagen, der statistisch 140 Mal im Jahr das mit maximal zwölf Patienten belegte Hospiz anfahren muss, möglichst diskret zu vorher vereinbarten Zeiten kommt. Eines wird es laut Krüger aber sich nicht geben. Das man sich mit Spendengeldern von Protesten freikauft. Rechtlich sieht sich Krüger ohnehin auf der sicheren Seite. "Der Bauvorbescheid ist bereits positiv beschieden", sagt er. Der Kaufvertrag ist bereits unterschriftsreif. Mit den Anwohnern sind Vermittlungsgespräche geplant. Auch um unbegründete Ängste und sorgen zu vertreiben. Angesichts Sterbender im Nachbarhaus wird sich so mancher Anwohner vermutlich fragen, ob man dann noch Lachen, Grillen oder in seinem Garten ausgelassen feiern kann. "Kann man", meint Krüger. Immerhin wird auch im Hospiz in allererster Linie gelebt. zv
|
| Termine: |
| 20.05 | 50er Jahre Oldtimertreffen Kiekeberg-Museum |
| 20.05 | 50er Jahre Oldtimertreffen Kiekeberg-Museum |
| 20.05 | Piste: De Nedderdütsche m Walter Marquardt Stellwerk im Bahnhof Harburg |
| 20.05 | Führung: Archäologisches Museum Hamburg Archäologisches Museum |
| 20.05 | Sonntagskinder: Hammer und Kreuz - Schätze aus Zinn Archäologisches Museum |
| 20.05 | Vortrag: Ein Jahr in Afghanistan Abgeordnetenbüro Trepoll |
| Service: |
|
|
|
Kommentare
Ein Hospiz ist ein derart friedlicher und menschlicher Ort. Dort vegetieren keine Monster vor sich hin die vor den Gesunden versteckt werden müssen!!Wir haben im Hospiz auch gelacht, musiziert, wir haben uns dort immer wohl und verstanden gefühlt, selbst in der Todesstunde...
Die Kinder werden sicher besser damit klar kommen als ihre Eltern. Wem es nicht gefällt der sollte wegziehen -nur wohin?? Wo wird es einen Ort geben für solche Träumer, die nicht sehen wollen dass es auch Krankheit und Tod gibt?
Vielleicht sollten sich Nachbarn, die Vorbehalte hegen, mal ein Hospiz ansehen, sich dort umsehen und begreifen, dass dort keine Monster, sondern Menschen aus Fleisch und Blut mit genau denselben Freuden und Kümmernissen wie sie selbst leben - bis zu ihrem Tod oder bis sie entlassen werden können wie meine Mutter. Der Nimbus des Unheimlichen und Bedrohlichen wird nur durch Erleben und Erfahren vergehen.
Und noch eins: Mein Mann und ich besitzen eine Eigentumswohnun g und das Hospiz ist keine hundert Meter Luftlinie von uns entfernt. Ich habe nicht eine negative Äußerung unter unseren Nachbarn und Miteigentümern gehört und weiß auch nichts von einem Wertverlust unserer Immobilie. Insofern treffen die dahingehenden Befürchtungen der Nachbarn in Hamburg ebenfalls nicht zu.
Es ist doch so: Der Tod gehört zum Leben, und es ist gut, dass es solche Einrichtungen wie Hospize gibt, wo sich mitfühlende Menschen aufoopferungsvo ll um die Sterbenden kümmern. Und es wird dort nicht etwa nur getrauert. Nein, wir haben gesungen und gelacht, ein Sommerfest gefeiert, im Advent Plätzchen gebacken und und und... Wie schon geschrieben wurde: Im Hospiz wird auch gelebt, manche Gäste bringen sogar Jahre dort zu.
Leichenwagen sind kein schöner Anblick für Kinder? Entschuldigung, das gehört zum Leben bzw. Sterben dazu.Und was gibt es außer einem Wagen zu sehen? Hohes Verkehrsaufkomm en durch Leichenwagen? Und wie ist es mit den Buslinien? Ach nein, die stören nicht, die befördern ihre Personen ja lebendig.
Pfui!!! Für diese ignoranten, egoistischen Anwohner! Leben Sie lange und Gesund!!!
Pfui, und nochmals Pfui,
die zwei Nachbarn die dagegen sind.
Wir brauchen dringend ein Hospiz in Harburg. Die Lage ist ideal, Angehörige können, wenn sie ein wenig verschnaufen wollen, in den kl. Wald gehen, der ganz in der Nähe liegt.
Sie sprechen mir aus der Seele. Es ist einfach nicht zu begreifen, dass diese Leute so reagieren!
Aber das ist doch hier wirklich an Intoleranz nicht mehr zu überbieten und denen, die dagegen klagen und sich beschweren, kann man nur wünschen, das sie selber nicht in eine Situation kommen, mal in ein Hospiz eingeliefert zu werde (und wenn, dann schön abgeschieden von aller Zivilisation.)
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.